Dreiunddreissig

Schon wieder ein Geburtstag, schon wieder eine Weihnacht. Weiße ist es keine. Nicht schlimm.

Ich rausche mit 120 Sachen Richtung Dielheim. Billie Eilish singt aus dem Radio von Ozeanaugen und ich überlege kurz, ob ich auch jemanden kenne mit Augen so tief wie der Marianengraben. Letztes Jahr um diese Jahreszeit las ich Schätzings Schwarm, also verwerfe ich den Gedanken, bevor sich mir die Nackenhaare aufstellen.

Irgendwo hab ich aufgeschnappt, dass 33 die Zahl der Vollendung sei. Ganz schön deprimierend, oder? Wie eine meiner liebsten Mannheimer Dozentinnen zu sagen pflegte: Bleiben Sie kritisch. Skeptisch bin ich noch dazu. Vollendung ist auch nur ein anderes Wort für Sackgasse und darauf hat doch niemand Lust, wenn wir mal ehrlich sind. Obendrein noch am Geburtstag.

Das vergangene Jahr war zu 75 Prozent richtig toll. Das letzte Viertel dann zwar richtig kacke, aber das ist okay. Alles entspannt zu sehen, darin übe ich mich. Das Tolle an dieser Sache: Ich weiß zunehmend, was ich nicht möchte, mag, will. Andrea sagt, das ist gleichzeitig das Doofe daran. Im Grunde genommen ist das wie mit jedermanns Musikhörverhalten: Irgendwann hört man halt immer die gleichen zehn Platten.

Öfter nein sagen wollte ich. Das klappte teilweise sehr gut, und dann katastrophal schlecht. Wo es gut klappte, kamen Zweifel. War das jetzt zu bossy, zu arrogant, zu abweisend. Nein, verdammte scheiße, es war mein verdammtes Recht. Ist das dieses Frau-Sein in der freien Wirtschaft, von dem alle reden und das ich noch nie so krass mitbekommen habe?!

Die Eltern bereiten mir sorgen, wo ich helfen kann, helfe ich und muss aufpassen, mich dabei nicht zu übernehmen. Ich habe wunderbare Menschen in meinem Leben, auf die ich zählen kann. Der Umzug in die neue Wohnung ist nahezu endlich gewuppt, nur noch meine Küchenutensilien muss ich über die Brücke bringen. Und dann wird das nächste Lebensjahr einfach so dahinplätschern, fingers crossed.

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